Parlamentarisches Patenschafts-Programm

Seit 1983 vergibt der Deutsche Bundestag im Rahmen des sogenannten “Parlamentarischen Patenschafts-Programmes” Stipendien für ein Austauschjahr in den USA an Schülerinnen und Schüler und junge Berufstätige. Das Patenschafts-Programm ist ein gemeinsames Programm des Deutschen Bundestages und des US-Congress. (» weitere Informationen)

Die Stuttgarter Zeitung veröffentlichte im November 2018 einen Beitrag über das Leben in den USA und die gesammelten Erfahrungen der Jugendbotschafterin Alina Wenger aus Korntal-Münchingen. » Hier geht es direkt zum Artikel

``Das Abenteuer beginnt ...`` - erster Erfahrungs- und Reisebericht aus den USA von Niklas Fischer

Dieser Bericht ist aus meiner eigenen Sichtweise geschrieben. Er enthält eigene Meinungen, eigene Erfahrungen und Beobachtungen, welche von mir so repräsentiert werden, wie ich sie erlebt oder empfunden habe, ohne jemanden damit zu nahe kommen zu wollen.

Das Abenteuer beginnt

Mittlerweile sind es fast zwei Monate her, als ich am 06. August von Frankfurt gemeinsam mit den anderen Teilnehmern des 36. PPP`s zuerst nach New York gereist bin. Wenn ich ehrlich bin kommt es mir so vor als wäre es gestern gewesen…das erste Mal den US Boden berührt und das auch noch in New York …

… und genauso sehen auch meine Erinnerungen aus. New York war eine unglaubliche Erfahrung und ein „mega“ Abenteuer. Für mich, meine Gewohnheiten und meinen Körper aber auch gleichzeitig eine Herausforderung. Zeitverschiebung, die Größe der Metropole, tausende neue Eindrücke, eine neue Sprache, neue Kultur und viele neue Menschen… all das wirkte auf mich ein. Die Mischung aus all dem fühlte sich jedoch unglaublich gut an.

In New York hatten wir für drei Tage jeden Tag ein festes Programm, welches von “Cultural Vistas” (der US Organisation vom PPP) geplant wurde. Dieses Programm fand im State Departement von New York in einen Seminarraum statt. In diesem wurden wir täglich für ein paar Stunden über die wichtigsten Themen, was das Jahr und vor allem dem Start des Jahres betrifft aufgeklärt. Ebenfalls erhielten wir dort unsere Unterlagen zur jeweiligen weiterreise zum festen Platzierungsort. Nach dem festen Programm war selbstverständlich Sightseeing angesagt! Vom Empire State Building bis zur Freiheitsstatue habe ich mit den anderen Teilnehmern so gut wie alle wichtigen Sehenswürdigkeiten begutachten können. Währenddessen entstanden durchaus bereits die ein oder anderen Herausforderungen, wie zum Beispiel die Orientierung in der Stadt zu behalten, der Kauf von den richtigen U-Bahn Tickets, die erste Essensbestellung, verstehen und lesen von Schildern, Ampeln, Regeln und Sicherheitshinweisen und vieles mehr.

Nach drei wunderschönen Tagen in New York ging es dann jedoch letztendlich weiter zum Platzierungsort. Für mich ging es mit zwei, drei anderen Teilnehmern ganz entspannt am 09. August um die Mittagszeit weiter zu einer der Flughafen in New York. Bereits jetzt Begann ein weiteres Abenteuer durch das, dass das für uns gebuchte Shuttle über 30 Minuten Verspätung hatte und dann auch noch im Stau von New York stand. Aus einer entspannten weiterreise wurde Stress und ein unglaubliches Abenteuer. Von den vorhandenen Stunden, welche wir eigentlich Zeit hatten wurden plötzlich Minuten! Ein weiterer Stau, welcher die Flughafen Shuttles komplett aus dem Konzept brachte und eine meterlange Schlange bei der Gepäckabgabe und dem Sicherheitscheck sorgte dafür, dass wir (eine andere Teilnehmerin, die den gleichen Flug nahm und ich) durch den Flughafen rannten und versuchten unseren Flug, der in 5min fliegt noch zu bekommen. Wir schafften es zum Glück, auf Grund der Verspätung der Maschine. Doch das Abenteuer war noch nicht vorbei, denn nach dem Boarding stand die Maschine noch eineinhalb Stunden aus unbekannten Gründen einfach so auf dem Rollfeld herum… und wenn man einen Anschlussfug hat ist das natürlich äußerst problematisch. Mehr oder weniger war nun auf jeden Fall klar, wir würden unseren Anschlussflug verpassen und müssen eine Nacht in Atlanta verbringen. Wie durch ein Wunder, durch eine weitere Verspätung des Anschlussfluges und einer kürzeren Flugzeit, bekamen wir gerade noch so unseren Anschlussflug. Aber wie? Wie „zwei Irre“ sind wir im größten Flughafen der Welt von Schild zu Schild gerannt und hinein in den Zug gesprungen, welcher uns zum anderen Terminal bringt. Angekommen am Gate waren sie schon dabei die Türen zu schließen, die netten Mitarbeiter ließen uns aber Gott sei Dank noch ganz schnell in das Flugzeug steigen. In Evansville, Indiana angekommen wartete dann schon der nette Busfahrer unseres Colleges, welcher mich abholte, da meine Familie auf Grund von Krankheit nicht in der Lage war mich einzusammeln. Anschließend fuhren wir zu meinem neuen zu Hause nach Robinson in Illinois. Nun ein paar Eindrücke, Erfahrungen und Beobachtungen, welche ich bereits sammeln konnte in verschiedenen Themenbereichen.

Politik in Amerika

Also wenn ich ehrlich bin haben die Amerikaner hier in meiner Region nicht wirklich viel tiefes Wissen von Politik, zumindest setzten sie sich kaum damit auseinander. Weder Nachrichten, noch die Zeitung wird groß gelesen. Auf Fragen, welche sich für mich ergeben hatten konnte nur beschränkt, wenn überhaupt geantwortet werden. Was ebenfalls interessant ist, dass viele hier jedoch eher unzufrieden mit der aktuellen Politischen Lage in den USA sind, als auch der Welt. Ich konnte schon mehrere Menschen beobachten, welche mit T-Shirts, Sticker oder ähnlichem repräsentierten, dass sie die Politik, wie sie unter Barack Obama geführt wurde vermissen oder die aktuelle Politik kritisieren.

Über Deutschland, allgemein Europa oder der Europäischen Union wissen die Einheimischen hier nicht viel – egal ob es um Politik, unser alltägliches Leben oder die Medien geht. Weder europäische und vor allem bekannte deutsche internationale Marken, noch Stars und Politiker konnten von den meisten zugeordnet werden. Jedoch wurde ich auch von einigen Bekanntschaften bereits mehrmals gefragt, was ich denn von Angela Merkel, der EU oder unserem Sozialsystem halte. Auch geschichtliche Fragen kamen auf, welche den 2. Weltkrieg, Adolf Hitler, den Wiederaufbau, die Mauer und den Mauerfall, die Gründung der EU sowie das Wirtschaftswunder betrafen. Somit haben sich schon einige Interessante Gespräche entwickelt und ein Austausch stattgefunden. Auch ich habe natürlich einige Fragen für mich persönlich klären können, die mich schon immer aus der Sichtweise eines US-Staatsbürgers interessiert haben.

Was hier in den USA auf jeden Fall ein sehr großer Unterschied zu Deutschland ist, ist der Patriotismus. Egal wohin man schaut, wohin man geht überall ist die USA Flagge zu finden. In manchen Orten nahezu an jeder Laterne, an jedem Haus, in jedem Raum und in jeder Einrichtung. Des Weiteren kommt im Radio auf manchen Sender regelmäßig zu jeder vollen Stunde die Nationalhymne. Es werden Servietten, Pappteller, Kissen, Handtücher und vieles mehr mit dem Aufdruck der USA Flagge verwendet. Und man merkt es den Leuten auch an in Gesprächen, gerade im politischen Bereich, dass sie unfassbar stolz auf ihr Land sind und darauf Amerikaner zu sein. Was sich bei uns in Deutschland die meisten nicht trauen, oder auf Grund unserer Vergangenheit oft verrufen wird, ist hier völlig normal. Es interessiert hier keinen was die USA für eine Vergangenheit hatte, man ist stolz auf das Land im hier und jetzt.

Alltägliches Leben (Ernährung, College, Umwelt, Glaube, Verhaltensweisen, …)

Das alltägliche Leben ist hier auf jeden Fall in vielen Bereichen etwas anders, als bei uns in Deutschland. Ob der Einkauf im Supermarkt, das College oder Verhaltensweisen in verschiedenen Situationen… da gibt es so einiges, was einem direkt auffällt. Ich beginne mal mit dem Einkaufen. Anders als in Deutschland überlegt man meist nicht lange zu welchem Supermarkt man geht, denn der so wohlbekannte Walmart ist hier so etwas wie „der beste Freund“ der Amerikaner. Im Walmart kann man alles kaufen, was das Herz begehrt, anders als in Deutschland bekommt man in diesen einem Laden so gut wie alles. Von Lebensmitteln, über Medikamente, Drogerieartikel, Sportausrüstungen, Spielsachen, Outdoorartikel, Waffen, Möbel, Klamotten…und vieles mehr. Für uns Deutsche, auf Grund der vielen verschiedene Läden ist das fast unvorstellbar einfach in einen Laden zu gehen und am Ende in jedem Lebensbereich ausgerüstet zu sein. Somit ist das natürlich für mich eine tolle Erfahrung. Mit was man direkt als erstes konfrontiert wird, sind die Maßeinheiten, welche anders sind, als bei uns in Deutschland. Egal ob im Supermarkt, beim Tanken oder beim Lesen einer Karte… die Auswirkung der unterschiedlichen Einheiten sind enorm und somit für mich in vielen kurzen Momenten eine große Herausforderung.

Was einem sofort auffällt sind die übergroßen Verpackungen, welche die Amerikaner haben. Ob Nahrungsmittel, Drogerieartikel oder Sonstiges – man bekommt tatsächlich alles in (für uns Deutsche) übergroßen Verpackungen. Kleine (für uns normale Größen) sind hier um einiges teurer, wenn überhaupt verfügbar. Was bei uns in Europa schon längst ein wichtiges großes Thema ist, ist hier noch nicht wirklich angekommen – Umweltschutz. Kostenlose Plastiktüten, Plastikbecher, Plastikteller, Pappteller, Dosen, allgemein viele Plastikverpackungen, Einweg Artikel, … werden hier in Massen Alltäglich ganz normal verwendet. Für mich Umweltbewusster Deutscher tatsächlich „ein Dorn im Auge“, wie man so schön sagt. Auch Dinge, wie das Auto Minuten über Minuten laufen lassen und währenddessen mit Freunden reden, in den nächsten Store springen oder in der Raststätte auf die Toilette gehen sind hier völlig normale Handlungen.

Des Weiteren auch sehr interessant zu beobachten, ist, dass die Einheimischen hier sehr, sehr auf künstliche Gerüche stehen. Alles was natürlich riecht wurde mir erzählt sei „schlecht oder nicht zu akzeptieren“. Dementsprechend findet man so gut wie in jedem Auto einen Duftbaum, in jedem Haus elektrische automatische Sprays, welche regelmäßig alle halbe Stunde die Häuser duften lassen. Zweimal täglich zu duschen und sich regelmäßig mit Deo und sonstigen duftenden Drogerieartikeln einzusprühen ist selbstverständlich.

Ein wichtiges und sehr, sehr großes Thema ist das Essen. Nahezu in jedem kleinen Dorf ab ca. 2.000 Einwohnern findet man bereits Fastfood Restaurants wie Mc Donald`s, Subway, Domino`s, Pizza Hut, Taco Bell, Dary Queen (Eis) oder KFC. Aber das ist auch gleichzeitig das Problem hier, denn 80 bis 90% der Restaurants hier sind klassische Fastfood Restaurants und sehr, sehr ungesund. Bäcker und klassische Restaurants sind hier schwer zu finden. In Brot ist, wie in vielen anderen Produkten oft viel Zucker drin. Auch am College gibt es nur Fastfood in der Kantine zur Auswahl. Zu Hause, in den Familien wird ebenfalls gern mal zu Fastfood wie Tiefkühlpizza, Hamburger oder ähnliches gegriffen, doch das hat andere Gründe…

Alles was man hier findet ist so bequem wie möglich gestaltet. Die Briefkästen befinden sich an der Einfahrt zum Grundstück auf einem Pfahl aufgestellt, so dass man den Briefkasten beim Heimkommen vom Auto aus leeren kann. Für alles gibt es einen sogenannten „Drive-Thru“ (bei uns als Drive-In“ bekannt) bei der Bank, zum Geld abheben, bei jedem Restaurant, am Krankenhaus für Notfallmedizin, Eisdielen und an vielen Orten mehr. Zum Essen werden oft (auch und vor allem zu Hause!) Plastikbecher und Pappteller zum Essen verwendet, damit man nicht abspülen muss oder die Spülmaschine ein- und ausräumen, denn diese kann man ganz einfach wegwerfen.

Für das College muss man Tausende von Dollar bezahlen, damit man dieses besuchen und studieren darf. Was hier sehr cool ist, dass tatsächlich alles digital gemacht wird. Hausaufgaben, Tests, Anmeldungen, etc. für alles gibt es eine App oder einen Onlinezugang. Das Niveau ist jedoch im Vergleich zu Deutschland sehr niedrig, was den Lehrplan und die Klausuren angeht. Ebenfalls bekommt mal als Student fast überall „Studenten Rabatt“, und wenn man gute Noten hat sogar noch mehr. Des Weiteren haben wir hier an den Schulen keine Kleiderordnung oder Schuloutfits. Jeder kann kommen, wie er mag. Bei uns in Deutschland wird oft über Jogginghosen an Schulen diskutiert. Hier in den USA ist das völlig normal. Jogginghosen, Sportklamotten, Flip-Flops, Badeschlappen, … alles ganz normaler Alltag an den Schulen, Colleges und Unis. Selbst die Lehrer haben oftmals nur Flip-Flops an.

Wenn mich jemand fragt, was ich hier sehr, sehr schön an den Einrichtungen, wie zum Beispiel dem College finde, dann würde ich definitiv folgendes antworten: die fortgeschrittene Digitalisierung und die Tatsache, dass es hier überall kostenlos Wasserspender gibt, und das in jeder Öffentlichen Einrichtung, egal ob College oder Einkaufszentrum.

Was ich hier wiederum sehr schade, oder auch ein bisschen nervig finde: die Klimaanlagen in jeder Einrichtung sind für mich als Deutscher total nervig, da sie immer sehr kalt eingestellt sind und der Wechsel von sehr warm zu sehr kalt sehr gewöhnungsbedürftig ist. Das nicht oder nur sehr geringe Umweltbewusste denken finde ich sehr schade und das Essen ist mir oftmals zu fettig. Letztendlich fühle mich hier jedoch sehr, sehr wohl, genieße jede Sekunde in vollen Zügen und bin unglaublich stolz und glücklich, hier leben und diese ganzen Erfahrungen sammeln zu dürfen.

Autor Niklas Fischer, Teilnehmer am Parlamentarischen Patenschafts-Programm 2019/2020 – Text nicht redigiert

``Perfekt unperfekt`` - vierter und letzter Bericht aus den USA von Alina Wenger

Ein Jahr mit dem PPP-Stipendium in den USA

Fast ein Jahr ist es nun her, dass ich mit dem Flugzeug nach Amerika und damit in das größte Abenteuer meines bisherigen Lebens startete. Ohne zu wissen, was genau mich erwarten würde, war ich mir sicher: letztendlich würde alles gut werden. Und damit sollte ich Recht behalten.

Ich bin dankbar für die zahlreichen Erfahrungen, die ich während meiner Zeit in Washington erleben durfte. Als Teil ihrer Familie nahm mich ein junges Paar auf und ermöglichte mir mit ihnen in dem ländlichen Ort Washougal mit etwa 8000 Einwohnern zu leben. Dort durfte ich die lokale High School besuchen und Teil der „Panther-Family“ werden, ein Panther war nämlich deren Schulmaskottchen. An der Schule schloss ich lebenslange Freundschaften, versuchte mich in Theater und Tennis, das für je drei Monate jeden Tag nach der Schule stattfand und erledigte zahlreiche Hausaufgaben. Ich feuerte das Football-Team der Schule an, feierte Siege beim Basketball und klatschte für die Cheerleader. Ich besuchte die Schulbälle Homecoming und Prom und trug den typischen Hut und Umhang bei der Abschlusszeremonie, an der ich teilnehmen durfte. Ich paukte für Tests, traf mich mit Freunden, aß sehr viel FastFood, unternahm Ausflüge mit meiner Gastfamilie. Ich lernte zu kochen und meine Wäsche zu machen und half im Haushalt mit. Mein Englisch verbesserte sich signifikant und ich begann in Englisch zu denken und zu träumen. Ich arbeitete ehrenamtlich bei Blutspenden, Lebensmittelspenden, politischen Events und bei zahlreichen Aktionen mit und erhielt sogar ein Zertifikat vom amerikanischen Außenministerium für über 100 Stunden an ehrenamtlicher Arbeit.

Ich hielt Vorträge informierte Schüler und Lehrer über Deutschland, beseitigte Vorurteile, beantwortete unzählige Fragen und ergänzte das Wissen des ein oder anderen Lehrers im Unterricht. Ich lernte viel über die amerikanische Kultur und Geschichte, lachte über Missverständnisse und wurde in alltäglichen Situationen überrascht. Wer hätte schon ahnen können, dass Donuts mit Speck und 20 verschiedene Sorten Oreos in den USA verkauft werden. Niemals hätte ich gedacht, dass sechzehnjährige mit ihrem eignen Truck jeden Tag in die Schule fahren und teilweise noch nie öffentliche Verkehrsmittel benutzt hatten. Es war nicht ungewöhnlich, noch nie außerhalb des Landes gewesen zu sein, mehrstündige Flugreisen nach Florida über das Wochenende waren wiederum normal. Sehr überraschend war auch, dass es täglich Hamburger und Nachos in der Schulmensa gab.

Mit all ihren Eigenheiten habe ich die Amerikaner doch sehr liebgewonnen und fühle mich in Washougal zuhause. Auch wenn ich mich sehr freue, wieder in Deutschland zu sein, vermisse ich mein zweites Zuhause, meine zweite Familie und meine Freunde sehr. Trotzdem bin ich unglaublich dankbar für die Erfahrungen, die ich sammeln durfte und würde sie auf keinen Fall missen wollen.

Mein Auslandsjahr hat mich sehr geprägt. Ich bin deutlich selbstständiger und unabhängiger geworden. Ich habe gelernt, andere Perspektiven, Ideen, und Vorstellungen zu verstehen und zu akzeptieren. Mir ist klar geworden, dass man Dinge verschieden angehen kann. Ich habe meine Prioritäten klarer herausgearbeitet und fühle mich gewappnet für die Zukunft.

Daher möchte ich auch jeden ermutigen, der sich überlegt, ein Auslandsjahr zu absolvieren: Es lohnt sich, über seinen Schatten zu springen und ein Auslandsjahr zu machen. Vielen Dank an den Bundestag und Steffen Bilger für diese Möglichkeit und seine Begleitung.

Alina Wenger

 

``Typisch Amerikanisch`` - dritter Bericht aus den USA von Alina Wenger

Bereits über fünf Monate und die Hälfte meines Auslandsjahres habe ich nun schon erleben dürfen. In zahlreichen Situationen, in denen ich mich während meines Auslandsjahres bisher befunden habe, ist mir genau dieser Gedanke in den Kopf geschossen: „typisch amerikanisch“. So sind mir einige Unterschiede zwischen den USA und Deutschland aufgefallen. Allerdings treffen meine Beobachtungen nicht auf jede Situation zu, denn, wie jedes Land, ist die USA sehr vielseitig und lässt nicht verallgemeinern.

  1. Der Patriotismus ist stärker ausgeprägt als in Deutschland. Die amerikanische Flagge gibt es in allen Variationen im täglichen Leben zu finden, zum Beispiel als Rucksack oder T-Shirt, die ganz selbstverständlich getragen werden. Außerdem wird jeden Morgen ein Schwur auf die Flagge geleistet, in dem man Treue schwört und die Nationalhymne wird vor jedem Sportevent an der Schule gesungen.
  2. Insgesamt habe ich den Lebensstil der meisten Amerikaner als weniger umweltbewusst wahrgenommen. Beispielsweise benutzen zahlreiche Haushalte täglich Einweggeschirr und -besteck. Beim Recycling wird nur das Hartplastik, Glas und Papier vom restlichen Abfall getrennt.
  3. Jugendlichen wird insgesamt weniger Verantwortung übertragen und sie werden stärker kontrolliert, beispielsweise lesen viele Eltern die Nachrichten auf dem Handy ihrer Kinder und das Schulsystem ist auch weniger auf Eigenverantwortung ausgerichtet und die Hausaufgaben müssen täglich abgegeben werden.
  4. Small Talk ist ein fester Bestandteil des Tages. Steht man beispielsweise mit einer anderen Person an einer roten Ampel, wird man häufiger gefragt, wie es einem geht. Interessanterweise wird auf diese Frage generell keine detaillierte Antwort erwartet, ein einfaches “gut” ist, was erwartet wird.
  5. Was in Deutschland Fußball ist, ist hier American Football. Viele spielen selbst Football oder schauen die Spiele an der Schule oder im Fernsehen an.
  6. Erdnüsse sind quasi ein Grundnahrungsmittel und in zahlreichen Variationen zu finden: Eiscreme, Süßigkeiten wie Kekse mit Erdnussbutter und sogenannte Reeses, die berühmten Peanutbutter Jelly Sandwiches, Nudelgerichte und sogar auf manchen Hamburgern.
  7. Je nachdem, in welchem Bundesstaat man sich befindet, sind die Steuern unterschiedlich. In Oregon gibt es beispielsweise keine Mehrwertsteuer, in Washington dagegen wird einem an der Kasse die Steuer auf den ausgeschriebenen Preis dazugerechnet.
  8. Die Mehrheit der Häuser ist mit Holz, anstelle von Ziegelsteinen, gebaut worden.
  9. Erwachsene arbeiten tendenziell mehr Stunden pro Woche und haben deutlich weniger bezahlte Urlaubstage als in Deutschland.
  10. Viele Jugendliche haben einen Job und arbeiten 20 Stunden pro Woche, zusätzlich zur Schule.
  11. Läden haben auch sonntags und länger an den Abenden geöffnet.
  12. Der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel ist deutlich geringer, insbesondere außerhalb des Stadtzentrums. Der Schulbus ist daher für einige Schüler das zentrale Transportmittel.
  13. Die meisten Autos sind deutlich größer und verbrauchen mehr Benzin als die Autos in Deutschland. Sogar auf dem Schulparkplatz sind Trucks keine Ausnahme.
  14. Um dem Busfahrer zu signalisieren, dass man am nächsten Stopp aussteigen möchte, muss man an einem Kabel ziehen, das entlang der Wand des gesamten Busses verläuft.
  15. Viele Amerikaner haben noch nie die USA verlassen und Reisen scheint insgesamt weniger Priorität zu haben.
  16. Leggings in der Schule oder beim Einkaufen zu tragen ist nicht ungewöhnlich.
  17. Die Mittagspause findet in der Schule schon sehr früh, um 10.25 Uhr, statt. Während dieser Zeit dürfen die Schüler das Schulgebäude nicht verlassen.
  18. Das Essen in der Mensa ist überwiegend ungesund – Nachos und Burger stehen auf der Tagesordnung.
  19. In der Schule gibt es regelmäßig Proben für das Verhalten im Falle eines Erdbebens, Hurrikans und einer Schießerei.
  20. Wenn ein wenig Schnee fällt, gibt es einen „Snowday“, was bedeutet, dass die Schule an dem Tag später beginnt oder ganz ausfällt. Das liegt aber auch daran, dass die Straßen im ländlichen Raum nicht geräumt oder gestreut werden.
  21. Die meisten Jugendlichen nutzen ausschließlich Snapchat zur Kommunikation, WhatsApp hingegen ist hier eher unbekannt.
  22. In den Restaurants wird einem immer ein Glas mit Wasser kostenlos und automatisch hingestellt, ohne dass man danach fragt.
  23. Wenn man ein Getränk im Restaurant bestellt, sind „Refills“ meistens einbegriffen, man kann also seinen Becher beliebig oft auffüllen.
  24. Es gibt eine größere Auswahl an Fast Food Restaurants und es ist üblich, anstatt zu kochen, essen zu gehen oder etwas außerhalb zu kaufen und nach Hause zu nehmen.
  25. In den Restaurants, auf Konzerten, oder beim Stadtfest gibt es einen separaten Bereich, in den man erst nach Ausweiskontrolle und wenn man über 21 Jahre alt ist, hinein darf. Dort wird dann Alkohol ausgeschenkt, der erst ab dem Alter von 21 Jahren in der Öffentlichkeit konsumiert werden darf.
  26. Es wird hier sehr viel mehr mexikanisches Essen konsumiert als in Deutschland.
  27. Wenn man hier von Brot spricht, ist meistens Toastbrot gemeint. Es gibt kaum Alternativen und Brot, so wie ich es von Deutschland kenne, gibt es nur in einzelnen Bäckereien.
  28. Beim Kochen wird deutlich mehr Pfeffer und Knoblauch benutzt.
  29. Nur ganz selten wird Wasser mit Kohlensäure getrunken, die meisten trinken einfach Leitungswasser.
  30. Im Abfluss in den Waschbecken in der Küche verfügen zahlreiche Haushalte über ein Gerät, das auf Knopfdruck die Überreste im Abfluss schreddern und damit diese heruntergespült werden können.
  31. Türen werden häufig nicht abgeschlossen. Wird beispielsweise das Badezimmer benutzt, ist die Türe geschlossen. Wird es nicht benutzt, steht die Türe durchgehend offen.
  32. Die meisten Fenster hier können nicht gekippt, sondern nur ganz geöffnet werden. Einige Fester sind sogar zum Schieben gemacht.
  33. In der Waschmaschine werden alle Kleidungstücke gewaschen, ohne davor sortiert zu werden. Insgesamt wird die Wäsche auf einer geringeren Temperatur gewaschen.

Football, Flags and a lot of fun? - zweiter Bericht aus den USA von Alina Wenger

Meine amerikanische High School im Vergleich zu meiner deutschen Schule

Fünf Schulwochen habe ich nun schon an einer amerikanischen High School verbringen dürfen. Dabei sind mir zahlreiche Unterschiede zwischen meiner amerikanischen und meiner deutschen Schule aufgefallen, die sehr überraschend für mich waren. Dabei muss im Hinterkopf behalten werden, dass die von mir festgestellten Unterschiede nicht unbedingt allgemein gültig sind, sondern sich auf meine persönliche Erfahrung stützen.

School Spirit
Ein wesentlicher Unterschied, den ich wahrgenommen habe, ist der an meiner amerikanischen High School vorhandene School Spirit. Das bedeutet, dass die Schüler sich viel stärker mit der Schule identifizieren. Das Maskottchen meiner High School ist beispielsweise ein schwarzer Panther, der in sämtlichen Variationen, als Bild an der Wand, als Bild auf dem Fußboden oder lebensgroßes Kostüm, in der Schule zu finden ist. Auf der Straße, die zur Schule führt, sind sogar Pfotenabdrücke eines Panthers aufgemalt. Jeden Freitag ist der sogenannte „Spirit Day“, bei dem die Schüler die Schulfarben orange und schwarz tragen sollen. Diejenigen, die das tun, werden dann mit Süßigkeiten belohnt. Bei sämtlichen sportlichen Veranstaltungen hört man „Go Panthers!“ von allen Seiten und sogar die Eltern der Schüler tragen T-Shirts mit der Aufschrift „Panther Pride“- selbstverständlich in orange und schwarz.

Unterstützt wird der Schulspirit von zahlreichen Veranstaltungen an der Schule. Es finden zahlreiche sportliche Wettbewerbe an der Schule statt, bei dem viele Schüler ihre Panthers anfeuern können. Insbesondere Footballspiele sind sehr beliebt. Dabei wird das Publikum mithilfe von Cheerleadern zum anfeuern animiert und spätestens zur Halbzeit, wenn die Cheerleader ihre Performance zeigen, ist keiner mehr zu halten.

Unterrichtsstil
Der Unterricht hier ist sehr anders von dem Unterricht, den ich in Deutschland gewohnt bin. Die Unterrichtsstunden sind weniger darauf ausgelegt, gemeinsam als Klasse etwas zu erarbeiten, sondern man wird dazu aufgefordert mithilfe des Buches eigenständig zu arbeiten oder der Lehrer hält Frontalunterricht ab. Außerdem finden kaum Gespräche oder Diskussionen in den Klassen statt, kritisches Denken ist auch deutlich weniger gefragt. Häufig scheinen die Details mehr im Vordergrund zu stehen als das große Ganze.

Patriotismus
Auch neu für mich war, wie sehr der amerikanische Patriotismus mit der Schule verknüpft ist und in gewisser Weise auch gelehrt wird. Unabhängig vom Fach und dem aktuellen Stoff, werden die Lehrer nicht müde zu betonen, dass die USA „the greatest country in the world“ („das beste Land der Welt“) ist. Am Anfang jedes Schultags wird über die Lautsprecheranlage die „Pledge of Allegiance“ verkündet, mit der die Amerikaner ihre Treue zu den USA auf die Flagge schwören. Dazu erheben sich alle Schüler, legen eine Hand aufs Herz, richten sich zur Flagge, die in jedem Raum der Schule vorhanden ist, aus und sprechen die Worte synchron zur Durchsage. Vor jedem Sportevent oder der Schulversammlung wird die amerikanische Nationalhymne gesungen, wobei sich erneut alle zur Flagge drehen und ihre Hand aufs Herz legen.

Stundenplan
Besonders aufgefallen ist mir, wie verschieden der Stundenplan ist. Für jedes Semester kann ich sechs Fächer wählen und diese besuche ich anschließend täglich. Bei der Wahl der Fächer ist deutlich weniger vorgegeben als in Deutschland, einige Klassen, wie Englisch, müssen aber auch hier besucht werden. Für mich ungewöhnliche Fächer, die angeboten werden, sind beispielsweise Theater, Digitalfotografie, Gestalten des Jahrbuchs, American Sign Language, Holzarbeiten und Kochen. Insgesamt gibt es mehr Optionen nicht akademische Fächer zu wählen. Teilweise sind einige Fächer bereits karrierebezogen und Teil der berufsspezifischen Ausbildung.

Im Gegensatz zur Schule in Deutschland werden die Klassen hier überwiegend nicht jahrgangsspezifisch angeboten, sondern werden von Schülern aus verschiedenen Stufen besucht. Auch neu für mich ist, dass jede Pause zwischen den Unterrichtsstunden nur fünf Minuten lang ist. Um 10.35 Uhr gibt es dann eine halbstündige Mittagspause. Langsam gewöhne ich mich daran, schon so früh zu Mittag zu essen.

Hausaufgaben
Hausaufgaben müssen in meiner High School immer eingereicht werden und in den meisten Fächern bekommt man für das Einreichen von Hausaufgaben, unabhängig vom Inhalt, ein A, was einer 1 entspricht. Insgesamt sind die Hausaufgaben aber deutlich mehr als an meiner Schule in Deutschland, einige Lehrer gehen davon aus, dass täglich eine Stunde für ihr Fach verwendet wird. Der Großteil des Lernens findet nicht in der Schule statt, sondern zuhause. Den Stoff erarbeite ich mir anhand von Büchern vor allem selbst, der Unterricht an sich fasst dann die wichtigen Punkte des bereits gelesenen zusammen. Hausaufgaben machen außerdem einen deutlich größeren Teil der Note aus, sie zählen teilweise bis zu 30%.

Klassenarbeiten
Während die Klassenarbeiten in Deutschland zum Großteil aus Fragen, die einen ausformulierten Text verlangen, bestehen, sind Klassenarbeiten hier Multiple-Choice-Fragen. Damit wird hier in Klassenarbeiten auch ausschließlich Wissen und Fakten abgefragt, während Klassenarbeiten in Deutschland auch nach Beurteilungen und der eigenen Meinung verlangen. Mit dem Lesen des Schulbuches zur vorgegebenen Zeit erhält man alle Informationen für den Test und es ist deutlich einfacher die volle Punktzahl zu erzielen als in Deutschland.

Auch in der Frequenz der Klassenarbeiten unterscheiden die Schulen sich: hier finden die Klassenarbeiten etwa alle zwei Wochen pro Fach statt, während sie in Deutschland ein- bis zweimal pro Halbjahr stattfanden. Auch Tests sind viel häufiger und es ist nicht unüblich zwei bis drei Tests pro Fach und Woche zu schreiben. Die Tests können aber wiederholt werden, wenn man nicht zufrieden mit dem Ergebnis ist. Dabei werden teilweise sogar die gleichen Fragen nochmal widerholt und man bekommt trotzdem eine bessere Note dafür. Da die meisten Tests online stattfinden, können sie auch von zuhause stattfinden. Weniger Klassenarbeiten, aber mehr Tests sollen häufig zuhause erledigt werden. Damit steigt die Möglichkeit des Betrugs aber auch deutlich, da alle Unterrichtsmaterialien, das Schulbuch und das Internet benutzt werden könnten. Zudem kann der Test über eine längere Zeit hinweg erledigt werden. Daher können die richtigen Antworten, die nachdem Absolvieren des Tests verfügbar sind, von anderen Personen kopiert werden. Selbst wenn man durch falsche Antworten Punkte verliert, erhält man die volle Punktzahl, wenn man eine Korrektur des Tests einreicht.

Außerschulische Aktivitäten
Meine amerikanische Schule bietet deutlich mehr außerschulische Aktivitäten an als meine Schule in Deutschland. Es gibt zahlreiche Sportarten wie Football, Cheerleading, Wrestling, Tennis, Golf, Tanzen, Volleyball, Basketball, Softball und Golf, die angeboten werden. Dazu verfügt die Schule über Sportanlagen, wie ein Footballfeld, Tennisplätze und einen Golfplatz. Zudem wird Theater angeboten, aktuell wird beispielsweise das Musical Mamma Mia geprobt. Außerdem gibt es sogenannte Clubs, wie den American Sign Language Club, den International Club, den Knowledge Bowl Club und den Science Olympiade Club. Ein wesentlicher Unterschied zu den außerschulischen Aktivitäten in meiner deutschen Schule ist, dass diese hier sehr viel ernster genommen werden.

Insbesondere beim Sport und Theater ist der Zeitaufwand sehr viel intensiver. Das Training findet an jedem Wochentag nach der Schule statt und es ist nicht unüblich, dass es 3 h dauert. Zusätzlich finden zahlreiche Wettkämpfe statt, bei denen gegen andere Teams gespielt wird oder der Text muss außerhalb der Klasse gelernt werden. Die Gruppen an meiner Schule in Deutschland, im Gegensatz dazu, haben sich beispielsweise nur etwa 1 Stunde wöchentlich getroffen. Zudem ist das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb eines Teams hier deutlich stärker ausgeprägt. Auch wenn ein Spieler gesundheitlich angeschlagen ist, wird es zum Training kommen und zuschauen, um sein Team zu unterstützen.

Digitalisierung
In meiner amerikanischen Schule wird, im Gegensatz zu meiner deutschen Schule, jedem Schüler ein Laptop zur Verfügung gestellt, der notwendig für den Unterricht ist. Die Schulbücher sind Großteils online verfügbar, auch die Unterrichtsstunden können online abgerufen und gegebenenfalls nachgeholt werden. Aufgaben sollen teilweise nicht handschriftlich bearbeitet, sondern abgetippt werden. Alle Noten werden online eingetragen und können somit besser nachvollzogen werden. Auch Eltern erhalten Zugang hierzu. Das gleiche gilt für Fehlzeiten. Handys im Unterricht sind hier ebenfalls kein Tabu und können meist benutzt werden. Dies führt aber häufig auch zu einer Nutzung des Smartphones, die nichts mit dem Unterricht zu tun hat, wie das Versenden von Nachrichten oder die Nutzung von Social Media.

„Welcome to America!“ – erster Bericht aus den USA von Alina Wenger

“Welcome to America!” – Das ist einer der häufigsten Sätze, die aktuell an mich gerichtet werden. Nach mehr als einem Jahr voller Vorbereitung ging es für mich vergangene Woche auf in die USA. Etwa ein Jahr lang werde ich nun im Bundesstaat Washington in der Nähe von Portland, Oregon mit meiner Gastfamilie leben und eine Highschool besuchen. Ermöglicht wird mir das durch das Parlamentarische Patenschafts-Programm, einem Stipendium, das aus der Zusammenarbeit von Bundestag und Kongress hervorgeht. Dass mein Auslandsjahr nun Wirklichkeit ist, kann ich nur schwer realisieren.

Meine Gastfamilie besteht aus einem jungen Ehepaar, Marie und Dean. Gemeinsam wohnen sie in ihrem Haus in ländlicher Umgebung. Obwohl ich eher das städtische Leben gewöhnt bin, genieße ich es sehr, hier nah an der Natur zu sein und beim Blick aus dem Fenster unzählige Bäume zu sehen. Dies scheint mir insgesamt ein signifikantes Merkmal für den Bundesstaat Washington zu sein, der damit seinem Namen „Evergreen State“ gerecht wird. Jedoch ist mir auch schnell klargeworden, weshalb ein Auto als Fortbewegungsmittel in den USA einen so hohen Stellenwert hat. Öffentliche Verkehrsmittel sind nämlich kaum außerhalb von Portland zu finden, sodass man auf das Auto angewiesen ist.

Obwohl ich erst relativ kurz hier bin, habe ich schon sehr viel erleben können. Letztes Wochenende fand der „Skamania County Fair“ statt, der von Manchen sogar als Event des Jahres in der Region gesehen wird. Man kann sich den Fair als Stadtfest vorstellen, bei dem es eine Achterbahn, ein Karussell und ähnliche Vergnügungsangebote gibt. Das diesjährige Motto lautete „Cowboy boots & Country roots“. Mit einem Cowboy-Hut versuchte ich mich ein wenig dem Dresscode anzupassen. Zudem wurden zahlreiche Wettbewerbe durchgeführt, die mit der Holzindustrie zusammenhängen, die hier eine hohe historische Bedeutung hat. Ein Wettbewerb war beispielsweise das Axtwerfen auf eine Zielscheibe, das dann entsprechend bewertet wird. Daran nahmen unter anderem auch meine Gasteltern teil. Außerdem fand eine Auktion statt, bei der Kinder und Jugendliche aus der Umgebung ihre selbst großgezogenen Tiere verkauften. Dort konnte man von Hühnern über Hasen bis hin zu Kühen viele verschiedene Farmtiere kaufen. Das Gelände, auf dem der Fair stattfand, war mit zahlreichen amerikanischen Flaggen geschmückt und die Nationalhymne wurde zur Eröffnung der Wettbewerbe gesungen. Der stärker ausgeprägte Patriotismus in den USA hat sich hier ziemlich gut gezeigt.

Gemeinsam mit meiner Gastfamilie habe ich bereits Spätzle zubereitet. Da sie jedoch meist auf ihrem Grill kochen, integrierten wir die Spätzle in ein BBQ. Diese in einem Topf auf dem Grill gab ein ziemlich ungewöhnliches Bild ab, aber sinnbildlich kann man hier eine Annäherung der (Essens-)Kulturen sehen.

Schon jetzt bin ich begeistert von meinen bisherigen Erfahrungen und freue mich sehr auf die zahlreichen, die noch kommen werden!

 


Von nun an wird Alina Wenger, die im Rahmen des Parlamentarischen Patenschafts-Programmes nun für etwa ein Jahr im Bundesstaat Washington in der Nähe von Portland (Oregon, USA) bei einer Gastfamilie leben und eine Highschool besuchen wird, von ihren Erlebnissen in den Vereinigten Staaten berichten.
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