“Typisch Amerikanisch” – dritter Bericht aus den USA



Bereits über fünf Monate und die Hälfte meines Auslandsjahres habe ich nun schon erleben dürfen. In zahlreichen Situationen, in denen ich mich während meines Auslandsjahres bisher befunden habe, ist mir genau dieser Gedanke in den Kopf geschossen: „typisch amerikanisch“. So sind mir einige Unterschiede zwischen den USA und Deutschland aufgefallen. Allerdings treffen meine Beobachtungen nicht auf jede Situation zu, denn, wie jedes Land, ist die USA sehr vielseitig und lässt nicht verallgemeinern.

  1. Der Patriotismus ist stärker ausgeprägt als in Deutschland. Die amerikanische Flagge gibt es in allen Variationen im täglichen Leben zu finden, zum Beispiel als Rucksack oder T-Shirt, die ganz selbstverständlich getragen werden. Außerdem wird jeden Morgen ein Schwur auf die Flagge geleistet, in dem man Treue schwört und die Nationalhymne wird vor jedem Sportevent an der Schule gesungen.
  2. Insgesamt habe ich den Lebensstil der meisten Amerikaner als weniger umweltbewusst wahrgenommen. Beispielsweise benutzen zahlreiche Haushalte täglich Einweggeschirr und -besteck. Beim Recycling wird nur das Hartplastik, Glas und Papier vom restlichen Abfall getrennt.
  3. Jugendlichen wird insgesamt weniger Verantwortung übertragen und sie werden stärker kontrolliert, beispielsweise lesen viele Eltern die Nachrichten auf dem Handy ihrer Kinder und das Schulsystem ist auch weniger auf Eigenverantwortung ausgerichtet und die Hausaufgaben müssen täglich abgegeben werden.
  4. Small Talk ist ein fester Bestandteil des Tages. Steht man beispielsweise mit einer anderen Person an einer roten Ampel, wird man häufiger gefragt, wie es einem geht. Interessanterweise wird auf diese Frage generell keine detaillierte Antwort erwartet, ein einfaches “gut” ist, was erwartet wird.
  5. Was in Deutschland Fußball ist, ist hier American Football. Viele spielen selbst Football oder schauen die Spiele an der Schule oder im Fernsehen an.
  6. Erdnüsse sind quasi ein Grundnahrungsmittel und in zahlreichen Variationen zu finden: Eiscreme, Süßigkeiten wie Kekse mit Erdnussbutter und sogenannte Reeses, die berühmten Peanutbutter Jelly Sandwiches, Nudelgerichte und sogar auf manchen Hamburgern.
  7. Je nachdem, in welchem Bundesstaat man sich befindet, sind die Steuern unterschiedlich. In Oregon gibt es beispielsweise keine Mehrwertsteuer, in Washington dagegen wird einem an der Kasse die Steuer auf den ausgeschriebenen Preis dazugerechnet.
  8. Die Mehrheit der Häuser ist mit Holz, anstelle von Ziegelsteinen, gebaut worden.
  9. Erwachsene arbeiten tendenziell mehr Stunden pro Woche und haben deutlich weniger bezahlte Urlaubstage als in Deutschland.
  10. Viele Jugendliche haben einen Job und arbeiten 20 Stunden pro Woche, zusätzlich zur Schule.
  11. Läden haben auch sonntags und länger an den Abenden geöffnet.
  12. Der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel ist deutlich geringer, insbesondere außerhalb des Stadtzentrums. Der Schulbus ist daher für einige Schüler das zentrale Transportmittel.
  13. Die meisten Autos sind deutlich größer und verbrauchen mehr Benzin als die Autos in Deutschland. Sogar auf dem Schulparkplatz sind Trucks keine Ausnahme.
  14. Um dem Busfahrer zu signalisieren, dass man am nächsten Stopp aussteigen möchte, muss man an einem Kabel ziehen, das entlang der Wand des gesamten Busses verläuft.
  15. Viele Amerikaner haben noch nie die USA verlassen und Reisen scheint insgesamt weniger Priorität zu haben.
  16. Leggings in der Schule oder beim Einkaufen zu tragen ist nicht ungewöhnlich.
  17. Die Mittagspause findet in der Schule schon sehr früh, um 10.25 Uhr, statt. Während dieser Zeit dürfen die Schüler das Schulgebäude nicht verlassen.
  18. Das Essen in der Mensa ist überwiegend ungesund – Nachos und Burger stehen auf der Tagesordnung.
  19. In der Schule gibt es regelmäßig Proben für das Verhalten im Falle eines Erdbebens, Hurrikans und einer Schießerei.
  20. Wenn ein wenig Schnee fällt, gibt es einen „Snowday“, was bedeutet, dass die Schule an dem Tag später beginnt oder ganz ausfällt. Das liegt aber auch daran, dass die Straßen im ländlichen Raum nicht geräumt oder gestreut werden.
  21. Die meisten Jugendlichen nutzen ausschließlich Snapchat zur Kommunikation, WhatsApp hingegen ist hier eher unbekannt.
  22. In den Restaurants wird einem immer ein Glas mit Wasser kostenlos und automatisch hingestellt, ohne dass man danach fragt.
  23. Wenn man ein Getränk im Restaurant bestellt, sind „Refills“ meistens einbegriffen, man kann also seinen Becher beliebig oft auffüllen.
  24. Es gibt eine größere Auswahl an Fast Food Restaurants und es ist üblich, anstatt zu kochen, essen zu gehen oder etwas außerhalb zu kaufen und nach Hause zu nehmen.
  25. In den Restaurants, auf Konzerten, oder beim Stadtfest gibt es einen separaten Bereich, in den man erst nach Ausweiskontrolle und wenn man über 21 Jahre alt ist, hinein darf. Dort wird dann Alkohol ausgeschenkt, der erst ab dem Alter von 21 Jahren in der Öffentlichkeit konsumiert werden darf.
  26. Es wird hier sehr viel mehr mexikanisches Essen konsumiert als in Deutschland.
  27. Wenn man hier von Brot spricht, ist meistens Toastbrot gemeint. Es gibt kaum Alternativen und Brot, so wie ich es von Deutschland kenne, gibt es nur in einzelnen Bäckereien.
  28. Beim Kochen wird deutlich mehr Pfeffer und Knoblauch benutzt.
  29. Nur ganz selten wird Wasser mit Kohlensäure getrunken, die meisten trinken einfach Leitungswasser.
  30. Im Abfluss in den Waschbecken in der Küche verfügen zahlreiche Haushalte über ein Gerät, das auf Knopfdruck die Überreste im Abfluss schreddern und damit diese heruntergespült werden können.
  31. Türen werden häufig nicht abgeschlossen. Wird beispielsweise das Badezimmer benutzt, ist die Türe geschlossen. Wird es nicht benutzt, steht die Türe durchgehend offen.
  32. Die meisten Fenster hier können nicht gekippt, sondern nur ganz geöffnet werden. Einige Fester sind sogar zum Schieben gemacht.
  33. In der Waschmaschine werden alle Kleidungstücke gewaschen, ohne davor sortiert zu werden. Insgesamt wird die Wäsche auf einer geringeren Temperatur gewaschen.

Autorin Alina Wenger

 


Alina Wenger, die im Rahmen des Parlamentarischen Patenschafts-Programmes für etwa ein Jahr im Bundesstaat Washington in der Nähe von Portland (Oregon, USA) bei einer Gastfamilie lebt und eine Highschool besucht, berichtet an dieser Stelle von ihren Erlebnissen in den Vereinigten Staaten.
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