Perfekt unperfekt- Mein persönlicher American Dream



Ein Jahr mit dem PPP-Stipendium in den USA

Fast ein Jahr ist es nun her, dass ich mit dem Flugzeug nach Amerika und damit in das größte Abenteuer meines bisherigen Lebens startete. Ohne zu wissen, was genau mich erwarten würde, war ich mir sicher: letztendlich würde alles gut werden. Und damit sollte ich Recht behalten.

Ich bin dankbar für die zahlreichen Erfahrungen, die ich während meiner Zeit in Washington erleben durfte. Als Teil ihrer Familie nahm mich ein junges Paar auf und ermöglichte mir mit ihnen in dem ländlichen Ort Washougal mit etwa 8000 Einwohnern zu leben. Dort durfte ich die lokale High School besuchen und Teil der „Panther-Family“ werden, ein Panther war nämlich deren Schulmaskottchen. An der Schule schloss ich lebenslange Freundschaften, versuchte mich in Theater und Tennis, das für je drei Monate jeden Tag nach der Schule stattfand und erledigte zahlreiche Hausaufgaben. Ich feuerte das Football-Team der Schule an, feierte Siege beim Basketball und klatschte für die Cheerleader. Ich besuchte die Schulbälle Homecoming und Prom und trug den typischen Hut und Umhang bei der Abschlusszeremonie, an der ich teilnehmen durfte. Ich paukte für Tests, traf mich mit Freunden, aß sehr viel FastFood, unternahm Ausflüge mit meiner Gastfamilie. Ich lernte zu kochen und meine Wäsche zu machen und half im Haushalt mit. Mein Englisch verbesserte sich signifikant und ich begann in Englisch zu denken und zu träumen. Ich arbeitete ehrenamtlich bei Blutspenden, Lebensmittelspenden, politischen Events und bei zahlreichen Aktionen mit und erhielt sogar ein Zertifikat vom amerikanischen Außenministerium für über 100 Stunden an ehrenamtlicher Arbeit.

Ich hielt Vorträge informierte Schüler und Lehrer über Deutschland, beseitigte Vorurteile, beantwortete unzählige Fragen und ergänzte das Wissen des ein oder anderen Lehrers im Unterricht. Ich lernte viel über die amerikanische Kultur und Geschichte, lachte über Missverständnisse und wurde in alltäglichen Situationen überrascht. Wer hätte schon ahnen können, dass Donuts mit Speck und 20 verschiedene Sorten Oreos in den USA verkauft werden. Niemals hätte ich gedacht, dass sechzehnjährige mit ihrem eignen Truck jeden Tag in die Schule fahren und teilweise noch nie öffentliche Verkehrsmittel benutzt hatten. Es war nicht ungewöhnlich, noch nie außerhalb des Landes gewesen zu sein, mehrstündige Flugreisen nach Florida über das Wochenende waren wiederum normal. Sehr überraschend war auch, dass es täglich Hamburger und Nachos in der Schulmensa gab.

Mit all ihren Eigenheiten habe ich die Amerikaner doch sehr liebgewonnen und fühle mich in Washougal zuhause. Auch wenn ich mich sehr freue, wieder in Deutschland zu sein, vermisse ich mein zweites Zuhause, meine zweite Familie und meine Freunde sehr. Trotzdem bin ich unglaublich dankbar für die Erfahrungen, die ich sammeln durfte und würde sie auf keinen Fall missen wollen.

Mein Auslandsjahr hat mich sehr geprägt. Ich bin deutlich selbstständiger und unabhängiger geworden. Ich habe gelernt, andere Perspektiven, Ideen, und Vorstellungen zu verstehen und zu akzeptieren. Mir ist klar geworden, dass man Dinge verschieden angehen kann. Ich habe meine Prioritäten klarer herausgearbeitet und fühle mich gewappnet für die Zukunft.

Daher möchte ich auch jeden ermutigen, der sich überlegt, ein Auslandsjahr zu absolvieren: Es lohnt sich, über seinen Schatten zu springen und ein Auslandsjahr zu machen. Vielen Dank an den Bundestag und Steffen Bilger für diese Möglichkeit und seine Begleitung.

Alina Wenger

 

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